15. — 21. Jahrhundert

Geschichte und Kontext

Die Torre Sarrió lässt sich nicht isoliert verstehen: sie ist Teil des Verteidigungsnetzes, das in der Huerta von Alicante errichtet wurde, um Zivilbevölkerung und landwirtschaftliche Güter vor den Überfällen der Berberkorsaren zu schützen.

Historischer Kontext · 16. Jahrhundert

Eine wohlhabende Huerta in einem feindlichen Meer

Seit dem Spätmittelalter war die Huerta von Alicante —bewässert durch den Stausee von Tibi und ein komplexes Grabensystem— fruchtbares Land für Weinbau, Getreide, Obst und den Wein Fondillón. Dieser Wohlstand lockte die Berberkorsaren an, die von Algier, Tunis oder Bugia aus die Mittelmeerküste in raschen Beutezügen —Razzien— nach Waren, Vieh und Sklaven für den Sklavenmarkt heimsuchten.

Im Laufe des 16. Jahrhunderts errichteten Krone und Stadt ein integrales Verteidigungssystem: Wachtürme an der Küste, Zufluchtstürme im Landesinneren neben den Landgütern und bastionsartige Verteidigungstürme bei bewohnten Ortschaften. Die konsultierten Quellen verzeichnen bis zu 43 Türme in der Huerta von Alicante; erhalten sind heute 25, größtenteils in das Stadtgefüge von Albufereta, La Condomina und Santa Faz eingebettet.

Mittwoch

17

März · 1540

Der Berberüberfall während der Wallfahrt zur Santa Faz

Zeitgleich mit der jährlichen Wallfahrt zum Kloster Santa Faz fielen die Korsaren in einem besonders blutigen Angriff über die Huerta her. Das Datum grub sich in das kollektive Gedächtnis der Stadt ein und beschleunigte die Konsolidierung des Systems von Zufluchts- und Wachtürmen in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts, dessen Torre Sarrió (1594) eines der spätesten und best dokumentierten Beispiele ist.

1594

«PERE LLOPIS 1594»

Auf der Böschung des Turms —bis zur Restaurierung fast einen Meter tief verschüttet— erscheint die Inschrift des Erbauers oder Auftraggebers. Neben der Signatur erkennt man Spuren, die die Geschichtsforschung als Einschusslöcher deutet, möglicherweise verbunden mit Episoden des Unabhängigkeitskriegs (1808–1814), in denen der Turm als Schauplatz von Erschießungen gedient haben soll.

Inschrift PERE LLOPIS 1594 auf der Böschung des Turms
Zeitleiste

Von der Festung zum Interpretationszentrum

Fünf Jahrhunderte Nutzung in drei Etappen: Verteidigung (blau), Turm als landwirtschaftliches Erbe (ocker) und Gegenwart (stein).

  1. 15. Jh.

    Aufstieg der nordafrikanischen Kaperei

    Die Küste von Alicante erleidet immer häufigere Überfälle berberischer Flotten.

  2. 17. März 1540

    Razzia bei Santa Faz

    Zeitgleich mit der Wallfahrt greifen die Korsaren die Huerta heftig an. Das Ereignis beschleunigt die Konsolidierung des Turmsystems.

  3. 1554

    Küstenwachverordnungen

    Die Signalkette aus Rauch am Tag und Feuer in der Nacht zwischen den Türmen und der Burg Santa Bárbara wird verstärkt.

  4. 1594

    Bau der Torre Sarrió

    Pere Llopis meißelt die Inschrift auf die Böschung: «PERE LLOPIS 1594».

  5. 17.–18. Jh.

    Nobilitierung und Wohnhaus

    Das Wohnhaus wird angebaut: der Turm wechselt von Festung zu herrschaftlichem Landsitz, verbunden mit dem Wein Fondillón.

  6. 1808–1814

    Unabhängigkeitskrieg

    Einschläge im Mauerwerk werden Erschießungen während des Krieges zugeschrieben.

  7. 20. Jh.

    Landwirtschaftskrise und Verfall

    Reblaus, Wassermangel und Landflucht verschlechtern die Güter der Huerta.

  8. 1995

    Endgültige Verlassenheit

    Aufeinanderfolgende Brände beschädigen den Turm.

  9. 1998

    Verkehrskreisel

    Der Bau der Vía Parque umschließt den Turm und beeinträchtigt den Zugang.

  10. 2009

    Erste Restaurierung

    Vom Architekten Màrius Bevià geleitete Maßnahme (420.838 €). Die Böschung wird freigelegt und Risse konsolidiert.

  11. 2021

    Zweite Sanierungsphase

    Die architektonische Aufwertung des Ensembles Turm + Haus wird abgeschlossen.

  12. 8. Juli 2026

    Eröffnung als Interpretationszentrum

    Einweihung mit Inhalten von MARQ und Fundación MARQ; museale Gestaltung von Rocamora Diseño y Arquitectura.